„Ein bisschen STE“ – geht das?

Blog-Beitrag vom 12.12.2017

Das ASD-STE100 Simplified Technical English, kurz STE, ist eine der bekanntesten Kontrollierten Sprachen in der Technischen Dokumentation. Wenn man sich mit Technischen Redakteuren, die englischsprachige Texte erstellen, über Schreibstandards unterhält, fällt das Stichwort STE in der Regel früher oder später.

Viele Unternehmen fragen sich, ob STE nicht auch für sie geeignet sein könnte. „Ein bisschen STE“ einsetzen, um die eigene Unternehmenssprache zu standardisieren – das klingt verlockend. Doch: Geht das? So viel sei vorweggenommen: Es gibt einiges zu beachten und „ein bisschen STE“ widerspricht im Grunde der Konzeption des Standards.

Was ist STE?

STE ist eine Kontrollierte Sprache aus der Luftfahrt-, Raumfahrt- und Verteidigungsindustrie und gehört zu den so genannten präskriptiven Ansätzen. Das bedeutet, dass STE genau vorgibt, welche sprachlichen Konstruktionen erlaubt sind – alles, was nicht explizit erlaubt ist, gilt als verboten. Dabei gibt der Ansatz neben einer Sammlung von Schreibregeln wie "Use a vertical list for complex texts" eine umfangreiche Liste erlaubter Wörter vor. Aber Achtung: Eine Wortliste ist nicht mit einer Terminologie gleichzusetzen. Dieser Aspekt führt uns auch schon zu der Frage, wo die Grenzen des STE liegen.

Wo liegen die Grenzen des Standards?

Ergänzungen benötigt

Im Regelwerk des Standards wird die Aussage getroffen, dass man ihn nicht alleine nutzen sollte, sondern in Kombination mit weiteren Standards und Methoden:

"It is intended to be used with other applicable specifications for technical publications, style guides, and official directives." (ASD 2017: ASD-STE100 – Issue 7, page 14)

Ein Beispiel für die Notwendigkeit der Kombination mit anderen Methoden stellt die STE-Wortliste dar. Diese gibt allgemeinsprachliches und technisches Vokabular vor und klassifiziert die Wörter als erlaubt oder verboten, manchmal auch in Bezug auf deren Wortart. Neben diesem Vokabular hat jedes Unternehmen auch noch seine eigene Terminologie mit Vorzugsbenennungen und Negativbenennungen.

Diese Unternehmensterminologie wird vom STE nicht berührt und muss entsprechend zusätzlich eingesetzt werden.

STE nur im Gesamtpaket

Zurück zur Titelfrage: „Ein bisschen STE“ widerspricht der Konzeption des Standards. Theoretisch könnte man als Technischer Redakteur einige Schreibregeln isoliert anwenden. Der Standard selbst versteht sich jedoch als Gesamtpaket und sieht die partielle Anwendung bzw. das individuelle Heraussuchen von passenden Regeln nicht vor.

Wie kann man STE anwenden?

Theoretisch könnte man als Technischer Redakteur starten, nachdem man sich die aktuellste Ausgabe des Standards besorgt und aufmerksam gelesen hat. Das ist jedoch kein leichtes Unterfangen und nach Einschätzung der Herausgeber des Standards wenig sinnvoll:

"Simply giving authors a copy of the specification is probably the best way to discourage them from learning about STE, and applying it correctly."

Schulungen und auch die Nutzung einer maschinellen Autorenunterstützung sind hier der bessere Weg.

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tl;dr

Die Möglichkeit, STE (Simplified Technical English) zur sprachlichen Standardisierung im Unternehmen zu etablieren, erscheint verführerisch. Es gibt dabei jedoch einiges zu beachten – z. B., dass „ein bisschen STE“ im Grunde der Konzeption des Standards als Gesamtpaket widerspricht.