Leichte Sprache, verständliche Dokumentation?

Blog-Beitrag vom 12.06.2018

Leichte Sprache ist ein topaktuelles Thema. Das bestätigt auch ein Blick auf die Google Trends, die bestätigen, dass der Suchbegriff „Leichte Sprache“ immer populärer wird.

Leichte Sprache ist kein geschützter Begriff, aber im Allgemeinen versteht man darunter Sprache, die das „Ziel [verfolgt], Menschen mit Leseschwierigkeiten die Teilhabe an Gesellschaft und Politik zu ermöglichen. Sie folgt bestimmten Regeln, die unter maßgeblicher Mitwirkung des Vereins Mensch zuerst entwickelt wurden, und zeichnet sich unter anderem durch kurze Hauptsätze aus, weitgehenden Verzicht auf Nebensätze, die Verwendung von bekannten Wörtern, während schwierige Wörter erklärt werden.“ Leseschwierigkeiten sind ein weitläufiger Begriff. Menschen mit Lernproblemen oder Lese-Rechtschreib-Schwächen, funktionale Analphabeten, Menschen mit Deutsch als Fremdsprache – sie alle und viele weitere stoßen womöglich beim Lesen alltäglicher Texte an Verständlichkeitsgrenzen.

Und was hat das mit Technischer Dokumentation zu tun? Mehr, als man vielleicht spontan denkt.

Verständlichkeit und Teilhabe

Technische Dokumentation richtet sich meist an ein heterogenes Publikum. In Hinblick auf den Aspekt der Teilhabe lautet die Frage: Mit wem spreche ich, wen möchte ich erreichen? Wen schließe ich gegebenenfalls aus, wenn ich nach bestimmten Parametern schreibe?

Wenn Produkte „für alle“ gemacht werden, sollten auch alle Menschen die Dokumentation verstehen. Nach diesem einfachen Prinzip erscheint es logisch, Produktdokumentation auch in Leichter Sprache anzubieten.

Ein möglicher Einwand wäre, dass Leichte Sprache zwar für einige Menschen wichtig ist, für den Großteil der Leser jedoch unnötig erscheint, da diese nicht von Leseschwierigkeiten betroffen sind. Dabei ist jedoch nicht zu unterschätzen, dass Verständlichkeitsprobleme vor niemandem Halt machen. Leichte Sprache trägt massiv zur Komplexitätsreduktion von Sprache bei, was Verständlichkeitsproblemen vorbeugt.

Klar ist, dass spätestens bei Details, die z. B. Fachvokabular erfordern, die strikte Anwendung von Leichter Sprache herausfordernd wird. Viele Aspekte kann man nicht einfach verkürzen oder weglassen – Wort-Erläuterungen können jedoch einen Kompromiss darstellen.

Leichte Dokumentation – ein Beispiel

Es gibt verschiedene Richtlinien und Regelwerke zur Leichten Sprache. Diese schränken die Sprache regelbasiert ein, ähnlich einer Kontrollierten Sprache, um Verständlichkeit und Zugänglichkeit möglich zu machen. Neben der Sprache wird häufig auch das Text-Layout geregelt. In unserem Beispiel werden sprachliche Regeln angewendet:

  • Benutzen Sie einfache Wörter.
  • Benutzen Sie bekannte Wörter.
  • Verzichten Sie auf Fach-Wörter und Fremd-Wörter.
  • Benutzen Sie immer die gleichen Wörter für die gleichen Dinge.
  • Benutzen Sie kurze Wörter. Wenn das nicht geht: Trennen Sie lange Wörter mit einem Binde-Strich.
  • Verzichten Sie auf Abkürzungen.
  • Benutzen Sie aktive Wörter.
  • Schreiben Sie kurze Sätze. Machen Sie in jedem Satz nur eine Aussage.
  • Benutzen Sie einen einfachen Satz-Bau.
  • Schreiben Sie jeden neuen Satz in eine neue Zeile.

Die Regeln stammen aus „Die Regeln für Leichte Sprache“ vom Netzwerk Leichte Sprache.

Originaltext

Congree-Benutzer

Benutzer von Congree sind Autoren von Technischer Dokumentation und Kundenkommunikation. Bereits im Texterstellungsprozess unterstützt Congree die Benutzer bei der Einhaltung allgemeiner und unternehmensspezifischer Schreibrichtlinien sowie bei der Wiederverwendung bereits verfasster Inhalte. Dadurch entstehen qualitativ hochwertige, d. h. sprachlich korrekte, verständliche, konsistente und gut übersetzbare Dokumente.

Entsprechung in Leichter Sprache

Was machen Congree-Benutzer?

Congree-Benutzer schreiben Anleitungen zu Produkten.

Oder sie schreiben Texte für Kunden.

Dabei hilft ihnen Congree.

Was ist Congree?

Congree ist ein Computer-Programm.

Congree hilft beim Schreiben dabei, Schreib-Regeln einzuhalten.

Die Firma von den Congree-Benutzern legt die Schreib-Regeln fest.

Congree hilft auch dabei, alte Sätze beim Schreiben noch einmal zu benutzen.

So muss man nicht alle Sätze im Text neu schreiben.

Mit Congree schreibt man bessere Texte.

Das heißt, dass man die Texte zum Beispiel besser verstehen kann.

Fazit

Zweifelsohne ist Leichte Sprache für den Leser, der andere Schreibstile gewohnt ist, erst einmal ein ungewohnter Anblick und wird möglicherweise von manchen Personen als unschön wahrgenommen. Da Technische Dokumentation allerdings eine zweckmäßige, wenig an Ästhetik gebundene Textsorte ist, wiegt der Aspekt höher, dass Leichte Sprache die Verständlichkeit fördert.

Dokumentation in Leichter Sprache ist einen Versuch wert, denn sie tut niemandem weh, kann aber für alle Personen Vorteile bringen.

Es gibt verschiedene Regelwerke zu Leichter Sprache. Diese ähneln Redaktionsleitfäden für Autoren. Neben dem Befolgen der Regeln ist es zudem wichtig, Texte in Leichter Sprache durch eine Testperson mit Leseschwierigkeiten prüfen zu lassen.

Beim Befolgen der Regeln kann Ihnen Software helfen. Der Congree Authoring Server beherrscht z. B. viele der sprachlichen Regeln Leichter Sprache und assistiert Ihnen beim Schreiben. Dabei macht die Technik jedoch nicht die Rolle einer Testperson zum Review der Texte überflüssig.

tl;dr

Technische Dokumentation richtet sich meist an ein heterogenes Publikum. In Hinblick auf den Aspekt der Teilhabe lautet die Frage: Mit wem spreche ich, wen möchte ich erreichen? Wen schließe ich gegebenenfalls aus, wenn ich nach bestimmten Parametern schreibe? Wenn Produkte „für alle“ gemacht werden, sollten auch alle Menschen die Dokumentation verstehen. Nach diesem einfachen Prinzip erscheint es logisch, Produktdokumentation auch in Leichter Sprache anzubieten.