Die tekom-Leitlinie „Regelbasiertes Schreiben“

– ein geeignetes Regelwerk für die maschinelle Prüfung Ihrer Texte?

Blog-Beitrag vom 26.09.2017

Wenn Unternehmen ihren Content sprachlich optimieren wollen, stellt sich meist automatisch die Frage nach bestimmten Regeln und Vorgaben, nach denen Texte verfasst werden können.

Wie startet man als Unternehmen, wie baut man ein passendes Regelwerk auf und wie prüft man die Umsetzung der Regeln? Hier erscheint es verführerisch, auf ein fertiges und maschinell prüfbares Regelwerk zurückzugreifen. Hier und da kommt der Wunsch auf, nach der tekom-Leitlinie „Regelbasiertes Schreiben“ zu prüfen, bei der es sich um ein Standardwerk der Technischen Kommunikation handelt. Geht das? Kann man „nach der tekom-Leitlinie“ schreiben, ist dies überhaupt sinnvoll und wie steht es um die maschinelle Prüfbarkeit? Diesen Fragen gehen wir nach.

Kann ich „nach der tekom-Leitlinie“ schreiben?

Nein. Die Regeln der tekom-Leitlinie stellen kein fertiges Regelwerk dar, sondern eine Sammlung von Regeln, aus der eine passende Regelauswahl gemäß individuellen Bedürfnissen zusammengestellt werden kann.

Die tekom-Leitlinie spricht keine Empfehlungen aus. Sie listet wertneutral in der Technischen Kommunikation existierende Regeln auf.

In der tekom-Leitlinie wird zwar ein Set an Basisregeln genannt, doch auch diese sind im jeweiligen Einzelfall auf ihre Tauglichkeit für bestimmte Anwendungsszenarien zu bewerten.

Besonders zu erwähnen und für die Regelauswahl relevant sind zum einen sogenannte Alternativregeln, die für ein sprachliches Phänomen zwei konkurrierende Regelungen treffen (z. B. Genitivbildung). Es reicht also nicht aus, Regeln „gemäß tekom-Leitlinie“ als Schreibvorgaben zu formulieren. Es müssen, zumindest in diesen Fällen, bewusst Entscheidungen für die eine oder andere Regel getroffen werden.

Zum anderen muss der Tatsache Rechnung getragen werden, dass für ein sprachliches Phänomen oftmals in unterschiedlichen Dimensionen Regelungsbedarf besteht. So sind beispielsweise für Überschriften sowohl Regeln zur Gliederung als auch zur Formulierung relevant. Diese Dimensionen spiegeln sich dann auch in unterschiedlichen Regeln wieder.

Sind die Regeln alle maschinell prüfbar?

Nein. Zu jeder Regel der tekom-Leitlinie wird eine Aussage hinsichtlich der maschinellen Prüfbarkeit getroffen. Hierfür gibt es drei vorgesehene Status:

  • Verfügbar: Regel ist in den gängigen Sprachprüfwerkzeugen standardmäßig verfügbar
  • Möglich: Regel ist für die maschinelle Überprüfung geeignet, aber nicht standardmäßig verfügbar
  • Nicht geeignet: Nach heutigem Stand der Technik kann die Regel nicht zufrieden stellend maschinell geprüft werden

Und jetzt?

Bei der tekom-Leitlinie handelt es sich um ein umfangreiches Werk, das zur Zusammenstellung Ihres eigenen Redaktionsleitfadens genutzt werden kann. Unter Beachtung von maschineller Prüfbarkeit und individueller Tauglichkeit für Ihr Unternehmen können Sie Regeln zusammenstellen. Dabei sollten Sie entscheiden, welche der sich gegenseitig ausschließenden Regeln für Ihre Texte optimal geeignet sind.

Ist die Regelauswahl einmal abgeschlossen, sollten diese Festlegungen in einem Regelwerk festgehalten werden, das den Autoren und Redakteuren zur Verfügung gestellt wird und auf das sie schnell und leicht zugreifen können.

Fazit

Die tekom-Leitlinie „Regelbasiertes Schreiben“ ist kein fertiges Regelwerk, man kann also nicht „nach der tekom-Leitlinie“ schreiben. Die Leitlinie stellt jedoch eine ausführliche Zusammenstellung möglicher Regeln dar, aus der Sie Inhalte für Ihren eigenen Redaktionsleitfaden entnehmen können.

Weitere Informationen finden Sie in unserem Whitepaper zum Thema „Sprachprüfung auf Basis der tekom-Leitlinie ‚Regelbasiertes Schreiben‘".

tl;dr

Die tekom-Leitlinie "Regelbasiertes Schreiben" ist kein fertiger Redaktionsleitfaden, mit dem Unternehmen direkt starten können. Vielmehr bietet er eine breite Grundlage zur Auswahl geeigneter Regeln für einen eigenen Redaktionsleitfaden.