Um die Welt zu beschreiben, benötigen wir Wörter. Doch was ist, wenn uns gerade das passende Wort nicht einfällt? Diese Situation kennen wir bestimmt alle. Man denkt an etwas, aber findet das passende Wort nicht. Und dann fängt man an, zu beschreiben und zu erklären, bis die andere Person weiß, wovon man spricht. Haben wir jetzt die passende Benennung oder den passenden Begriff gesucht?
Im Alltag macht das wahrscheinlich keinen Unterschied. Da werden die beiden Wörter meist synonym verwendet. Doch bei der Terminologiearbeit darf man sie auf keinen Fall verwechseln. Dort haben sie unterschiedliche Bedeutungen. Doch worin unterscheiden sich die beiden Wörter Begriff und Benennung?
1 Was ist der Unterschied zwischen einem Begriff und einer Benennung?
In der Terminologielehre wird zwischen Begriff und Benennung unterschieden. Unter Begriff, auch Konzept genannt, wird die Bedeutung verstanden, die das Wort trägt. Mit Benennung, auch Term genannt, wird das Wort an sich, genauer gesagt, die Buchstabenfolge bezeichnet. Die Benennung ist hierbei eine Bezeichnung auf der sprachlichen Ebene, auch sprachliche Bezeichnung genannt. Es gibt verschiedene Arten von Bezeichnungen. Zu den Bezeichnungen gehören beispielsweise Symbole, Wörter und Piktogramme. Sie alle haben gemeinsam, dass sie etwas abbilden oder für etwas stehen. Sie stehen alle repräsentativ für den Begriff dahinter.
Anhand des semiotischen Dreiecks lässt sich der Zusammenhang zwischen Begriff und Benennung genauer betrachten. Das semiotische Dreieck nimmt hierbei auch noch Bezug zum Gegenstand, der die Dinge der realen Welt umfasst.
1.1 Was ist das semiotische Dreieck?
Abbildung 1 Das semiotische Dreieck am Beispiel des Begriffs „Tisch“
Das semiotische Dreieck stellt den Bezug vom Gegenstand zur Benennung dar. Es zeigt, dass sich die Benennung nicht auf einen einzelnen Gegenstand bezieht, sondern auf einen Begriff. Der Begriff verbindet somit den Gegenstand mit der Benennung.
1.1.1 Bestandteile des semiotischen Dreiecks
1.1.1.1 Was ist ein Gegenstand?
Gegenstände sind Ausschnitte aus der wahrnehmbaren und vorstellbaren Welt. Sie können materieller oder immaterieller Art sein. Prozesse, Vorgänge und Phantasiegebilde werden somit unter Gegenständen verstanden genauso wie Geschehnisse und Sachverhalte.
Konkret bedeutet das, dass beispielsweise Gefühle, Tische und Gewitter alle Gegenstände sind.
Gegenstände besitzen bestimmte Eigenschaften, wodurch die einzelnen Gegenstände identifizierbar sind und sich von anderen Gegenständen unterscheiden.
Ein Esstisch kann beispielsweise eine rechteckige, waagerecht angeordnete Tischplatte und vier Tischbeine an den Ecken haben und ein Couchtisch kann eine runde, waagerecht angeordnete Tischplatte und ein Tischbein in der Mitte haben.
1.1.1.2 Was ist ein Begriff?
Als Begriff wird eine Denkeinheit bezeichnet, die gebildet wird, indem sie die gemeinsamen Eigenschaften von einer Menge an Gegenständen mittels Abstraktion zusammenfasst. Begriffe sind dabei unabhängig von Sprachen, können jedoch vom sozialen und kulturellen Hintergrund einer Sprachgemeinschaft beeinflusst sein.
Was ist der Unterschied zwischen einem Allgemeinbegriff und einem Individualbegriff?
Es wird zwischen Allgemeinbegriff und Individualbegriff unterschieden. Der Individualbegriff wird ausgehend von einem einzelnen Gegenstand gebildet, wohingegen der Allgemeinbegriff ausgehend von mehr als einem einzelnen Gegenstand gebildet wird.
Ein Allgemeinbegriff ist beispielsweise „Planet“ und ein Individualbegriff „Merkur“.
Im vorherigen Beispiel ist „Tisch“ der Allgemeinbegriff und „Esstisch“ und „Couchtisch“ jeweils ein Individualbegriff.
Was sind Begriffsmerkmale?
Gemeinsame Eigenschaften von einer Gruppe an Gegenständen können mittels Abstraktion zu Begriffsmerkmalen werden. Mithilfe von Begriffsmerkmalen lässt sich ein Begriff bestimmen und von anderen Begriffen abgrenzen.
Abbildung 2 Darstellung der Abstraktion von Begriffsmerkmalen aus den Eigenschaften von Gegenständen anhand des semiotischen Dreiecks
Beispielsweise besitzen Esstisch und Couchtisch beide die Eigenschaften „hat eine waagerecht angeordnete Tischplatte und mindestens ein Tischbein“. Mithilfe dieser gemeinsamen Eigenschaften lassen sich durch Abstraktion die Begriffsmerkmale von „Tisch“ bilden. Die anderen Eigenschaften von Esstisch und Couchtisch sind nicht identisch und bleiben somit Eigenschaften des jeweils konkreten Tisches und werden nicht als Begriffsmerkmal zum Begriff hinzugefügt.
1.1.1.3 Was ist eine Benennung?
Die Benennung ist die sprachliche Bezeichnung, die einen Allgemeinbegriff bezeichnet.
Im vorherigen Beispiel ist die Benennung die Buchstabenfolge „Tisch“, die den Begriff repräsentiert, der mit den Begriffsmerkmalen „hat eine waagerecht angeordnete Tischplatte und mindestens ein Tischbein“ gebildet wird.
Allgemeinbegriffe werden mit Benennungen bezeichnet und Individualbegriffe mit Eigennamen.
Im bereits genannten Beispiel ist „Tisch“ somit die Benennung des Allgemeinbegriffs und „Esstisch“ sowie „Couchtisch“ jeweils ein Eigenname des Individualbegriffs für den einzelnen Gegenstand.
1.1.2 Wie hängen Gegenstand, Begriff und Benennung zusammen?
Das semiotische Dreieck verbindet den Gegenstand direkt mit dem Begriff und den Begriff direkt mit der Benennung. Die gestrichelte Linie zwischen Gegenstand und Benennung zeigt, dass eine Benennung zwar in gewisser Weise mit dem Gegenstand verknüpft ist, sie aber nicht direkt verbunden sind. Wenn jeder einzelne Gegenstand eine eigene Benennung hätte, würden wir allen Gegenständen einzelne Wörter zuordnen.
Im vorherigen Beispiel gäbe es dann nicht „Tisch“, sondern nur die Eigennamen für die einzelnen Tische. So würden wir immer, wenn wir von dem Esstisch sprechen, auch „Esstisch“ sagen und nur diesen einen Tisch bezeichnen. Die Benennung „Couchtisch“ würden wir ebenfalls nur benutzen, wenn wir genau diesen einen Tisch meinen.
Der Gegenstand ist direkt mit dem Begriff verbunden, da die gemeinsamen Eigenschaften von einer Gruppe an Gegenständen in Begriffsmerkmale übertragen werden. Der Begriff wird daher auf Basis der vorhandenen Gegenstände durch Abstraktion gebildet.
Zudem ist der Begriff direkt mit der Benennung verbunden, da mit einer Benennung ein Begriff bezeichnet wird. Die Benennung steht für den Begriff und repräsentiert ihn.
Die Verbindung vom Gegenstand zur Benennung lässt sich wie folgt beschreiben: Wenn wir einen Gegenstand sehen, erkennen wir ihn anhand der Begriffsmerkmale, die wir in Form des Begriffs abgespeichert haben. Um den Gegenstand richtig zu benennen, suchen wir zu dem Begriff die passende Benennung. Somit können wir über den Begriff dem Gegenstand die richtige Benennung zuordnen.
Bei dem vorherigen Beispiel sähe es so aus: Wir sehen den Esstisch und erkennen anhand der Begriffsmerkmale „hat eine waagerecht angeordnete Tischplatte und mindestens ein Tischbein“, dass es ein Tisch ist. Um den Esstisch richtig zu benennen, suchen wir zu unserem Begriff nun die richtige Benennung „Tisch“. Somit sind wir vom Gegenstand „Esstisch“ über den Begriff mit seinen Begriffsmerkmalen „hat eine waagerecht angeordnete Tischplatte und mindestens ein Tischbein“ zur passenden Benennung „Tisch“ gekommen.
| Element | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| Gegenstand | Materielles oder immaterielles Objekt | Esstisch |
| Begriff | Denkeinheit aus gemeinsamen Merkmalen | Der Begriff Tisch mit den Begriffsmerkmalen „hat eine waagerecht angeordnete Tischplatte und mindestens ein Tischbein“ |
| Benennung | Sprachliche Bezeichnung | „Tisch“ |
Tabelle 1 Überblick von Gegenstand, Begriff und Benennung
2 In welchem Verhältnis können Begriff und Benennung stehen?
2.1 Wie sähe eine ideale Beziehung aus?
In der Terminologielehre gibt es die ideale Vorstellung von der eineindeutigen Beziehung zwischen Begriff und Benennung. Das bedeutet, dass im Idealfall jedem Begriff nur eine einzige Benennung und jeder Benennung nur ein einziger Begriff zugeordnet ist. In der Realität kommt es jedoch vor, dass ein Begriff durch mehrere Benennungen repräsentiert wird oder eine Benennung mehrere Begriffe repräsentiert.
2.2 Was wird unter Synonymie verstanden?
Abbildung 3 Synonymie am Beispiel des Begriffs „Orange“
Wenn ein Begriff innerhalb einer Sprache durch mehrere Benennungen repräsentiert wird, wird von Synonymie gesprochen. Die beiden Benennungen sind dann synonym zueinander. Es wird zwischen zwei Arten von Synonymie unterschieden.
Zum einen gibt es die Vollsynonymie, auch echte Synonymie genannt. Wenn die Vollsynonymie gegeben ist, müssen zwei Grundvoraussetzungen erfüllt sein. Die Benennungen müssen exakt den gleichen Begriff beschreiben. Das bedeutet, dass alle Begriffsmerkmale identisch sind. Zudem müssen die Benennungen in allen Kontexten austauschbar sein, was bedeutet, dass sie unabhängig von Sprachebene, Region, Unternehmenskontext und Normungsstatus verwendet werden können.
Ein Beispiel für Vollsynonymie ist „Orange“ und „Apfelsine“. Diese beiden Benennungen bezeichnen denselben Begriff mit denselben Begriffsmerkmalen und sind nahezu in allen Kontexten austauschbar.
Wenn eine dieser Grundvoraussetzungen nicht gegeben ist, wird von Teilsynonymie gesprochen, auch partielle Synonymie genannt. Eine Benennung kann beispielsweise durch Dialekte und Konnotationen nicht in allen Kontexten austauschbar sein.
Ein Beispiel für Teilsynonymie sind die Benennungen „Kartoffel“ und „Erdapfel“. Die beiden Benennungen bezeichnen denselben Begriff. Allerdings hat „Erdapfel“ einen regionalen Bezug und wird nicht in allen Regionen Deutschlands verwendet. Dadurch ist „Erdapfel“ nicht in allen Kontexten austauschbar, in denen „Kartoffel“ verwendet wird.
2.3 Was wird unter Ambiguität (Mehrdeutigkeit) verstanden?
Wenn eine Benennung oder mehrere identische Benennungen mehrere Begriffe bezeichnen, wird von Ambiguität gesprochen, auch Mehrdeutigkeit genannt. Die Benennungen sind dann ambig. Es gibt zwei Arten von Ambiguität, die Polysemie und die Homonymie.
Abbildung 4 Polysemie am Beispiel der Benennung „Maus“
Die Polysemie entsteht meist durch die Terminologisierung, bei der die Benennung bewusst von einem Begriff aus der Allgemeinsprache auf einen anderen Begriff aus der Fachsprache übertragen wird, da eine Ähnlichkeit vorhanden ist.
Zum Beispiel wurde „Maus“ aus der Allgemeinsprache (das Tier) genommen und bewusst in die Fachsprache (die Computermaus) übertragen, da die Computermaus so ähnlich aussieht wie das Tier.
Abbildung 5 Homonymie am Beispiel der Benennung „Bremse“
Bei Homonymie repräsentieren zwei identische Benennungen zufällig zwei unterschiedliche Begriffe und haben keine Verbindung zueinander.
Zum Beispiel bezeichnet die Benennung „Bremse“ einmal das Insekt und einmal die Vorrichtung im Auto, die das Auto anhält.
2.4 Was wird unter Äquivalenz verstanden?
Nicht nur innerhalb einer Sprache bezeichnen mehrere Benennungen einen Begriff. Wenn verschiedene Sprachen betrachtet werden, wie in der mehrsprachigen Terminologiearbeit, bezeichnen mehrere Benennungen denselben Begriff. Dieses Phänomen wird Äquivalenz genannt. Es gibt verschiedene Arten von Äquivalenz.
Abbildung 6 Äquivalenzarten zwischen zwei Sprachen
2.4.1 Was ist Volläquivalenz?
Wenn die Begriffe in beiden Sprachen die gleichen Begriffsmerkmale besitzen, wird von Volläquivalenz gesprochen. Der Begriff existiert dann in beiden Sprachen und ist identisch.
2.4.2 Was ist Teiläquivalenz?
Wenn die Begriffsmerkmale in beiden Sprachen nicht eins zu eins gleich sind, stimmen die Begriffe nicht hundertprozentig überein. Dies wird als Teiläquivalenz bezeichnet. Es existieren zwei Arten von Teiläquivalenz.
Zum einen gibt es die Überschneidung. Von Überschneidung ist die Rede, wenn die Begriffe in den jeweiligen Sprachen zwar gemeinsame Begriffsmerkmale haben, aber zusätzlich noch eigene Begriffsmerkmale besitzen.
Ein Beispiel für die Überschneidung ist „Grundschule“ im Deutschen, welches zwar identische Merkmale, aber auch eigene Merkmale im Vergleich zu „primary school“ im Englischen besitzt.
Zum anderen gibt es die Inklusion. Inklusion bedeutet, dass die Begriffe zwar identische Merkmale besitzen, aber in einer Sprache der Begriff mindestens ein weiteres Merkmal hat.
Ein Beispiel für Inklusion ist „Schraube“ im Deutschen, da der Begriff weiter definiert ist als „screw“ im Englischen, der mehr Merkmale hat und dadurch enger definiert ist.
2.4.3 Was ist keine bzw. fehlende Äquivalenz?
Es liegt keine Äquivalenz vor, wenn Benennungen in verschiedenen Sprachen orthografische oder phonetische Ähnlichkeiten aufweisen. Denn die verschiedenen Benennungen bezeichnen nicht unbedingt einen identischen Begriff, nur weil sie in ihrer Benennung ähnlich sind. Das ist bei den so genannten „Falschen Freunden“ der Fall. Diese haben keine gleichen Begriffsmerkmale, sondern werden einfach nur ähnlich geschrieben oder klingen ähnlich.
Ein Beispiel für einen Falschen Freund ist „brav“ im Deutschen (im Englischen: well-behaved) und „brave“ im Englischen (im Deutschen: mutig).
Ebenfalls liegt keine Äquivalenz vor, wenn der Begriff und die passende Benennung nur in einer Sprache existieren. Dieses Phänomen wird Lücke genannt. Es wird dabei in zwei Arten unterschieden.
Es kann vorkommen, dass es in der einen Sprache einen Begriff mit einer passenden Benennung gibt und in der anderen Sprache der Begriff zwar existiert, aber eine passende Benennung fehlt. Dies wird Benennungslücke oder lexikalische Lücke genannt
Ein Beispiel für eine Benennungslücke ist „verschlimmbessern“ im Deutschen. Dieser Begriff existiert zwar im englischen Sprachraum, aber wird mit mehreren Wörtern beschrieben. Es gibt demnach kein echtes Äquivalent zu dem deutschen Wort „verschlimmbessern“.
Allerdings kann es auch vorkommen, dass in einer Sprache ein Begriff mit einer passenden Benennung existiert, aber in der anderen Sprache sowohl die Benennung als auch der Begriff nicht vorhanden ist. Hier spricht man von Begriffslücke.
Ein Beispiel für eine Begriffslücke ist „Gelbe Tonne“ bzw. „Gelber Sack“. Im Deutschen existiert sowohl der Begriff als auch die Benennung. In anderen Sprachräumen, in denen es kein entsprechendes Mülltrennungssystem gibt, fehlen Begriff und Benennung dafür.
3 Welche Benennungen gibt es?
Nachdem die verschiedenen Beziehungen zwischen Begriff und Benennung geklärt wurden, betrachten wir die Benennungen nochmal genauer. Benennungen sind ein wesentlicher Bestandteil der Terminologiearbeit. Sie werden gesammelt und im Terminologieverwaltungssystem (TVS) verwaltet. Benennungen können dabei in verschiedenen Formen auftreten.
Abbildung 7 Begriffssystem zum Begriff „Bezeichnung“
3.1 Einteilung nach Form
Benennungen können nach ihrer Form unterschieden werden. Zum einen können Benennungen die Form einer Einwortbenennung annehmen und zum anderen die Form einer Mehrwortbenennung.
3.1.1 Was ist eine Einwortbenennung?
Eine Einwortbenennung besteht, wie der Name schon sagt, aus einem Wort. Darunter fallen auch zusammengesetzte Wörter einschließlich solche mit Bindestrich. Es gibt drei Arten von Einwortbenennungen. Sie können als Simplizia, als Komposita oder als Derivate vorkommen.
Simplizia bestehen aus nur einem Basismorphem. Ein Morphem ist die kleinste bedeutungstragende Einheit. Es gibt verschiedene Arten von Morphemen. Dazu gehört das Basismorphem, welches der bedeutungstragende Kern eines Wortes ist und die zentrale Bedeutung enthält, auf der das Wort aufgebaut ist. Simplizia enthalten somit nur einen einzigen Bedeutungskern.
Beispiele für Simplizia sind „Freund“, „Haus“ und „Tisch“.
Komposita hingegen bestehen aus mindestens zwei Basismorphemen. Das bedeutet, dass sie mindestens zwei bedeutungstragende Kerne besitzen. Komposita werden aus mindestens zwei Wörtern zusammengebaut, die jeweils einen bedeutungstragenden Kern besitzen.
Beispiele für Komposita sind „Freundesgruppe“, „Haustürschlüssel“ und „Tischdecke“.
Derivate bestehen aus einem Basismorphem und einem Wortbildungsmorphem. Ein Wortbildungsmorphem ist ein Wortteil, der dazu dient, neue Wörter zu bilden oder die Bedeutung eines Wortes zu verändern. Es kann nicht allein stehen, sondern steht immer in Verbindung mit einem anderen Morphem. Derivate sind somit abgeleitete Wörter.
Beispiele hierfür sind „Freundschaft“, „häuslich“ und „Dankbarkeit“.
3.1.2 Was ist eine Mehrwortbenennung?
Eine Mehrwortbenennung besteht aus mindestens zwei Wörtern, die durch ein Leerzeichen voneinander getrennt sind.
Beispiele hierfür sind „Künstliche Intelligenz“, „elektrische Spannung“ und „technische Dokumentation“.
3.2 Einteilung nach Kürzungsgrad
Benennungen können auch nach ihrem Kürzungsgrad eingeteilt werden. Benennungen kommen in ihrer Langform oder in einer Kurzform vor.
3.2.1 Was ist eine Langform?
Die Langform ist die ungekürzte Version der Benennung.
3.2.2 Was ist eine Kurzform?
Die Kurzform ist eine gekürzte Version der Benennung. Kurzformen werden gebildet, indem mindestens ein Buchstabe oder Zeichen der Langform weggelassen oder durch nicht in der Langform enthaltene Ziffern oder Zeichen ersetzt wird. Es gibt drei Arten von Kurzformen, und zwar die Abkürzung, das Kurzwort und das Akronym.
Die Abkürzung ist eine Kurzform, die nur in der Schriftsprache verwendet wird und in der gesprochenen Sprache als Langform gesprochen wird.
Beispiele hierfür sind „Kap.“ für „Kapitel“, „z. B.“ für „zum Beispiel“ und „Bd.“ für „Band“.
Das Kurzwort ist eine Kurzform, die sich aus dem Anfang, dem Ende, Anfang und Ende, der Mitte oder Silben der Langform bildet und genauso gesprochen wird, wie sie geschrieben wird. Kurzwörter werden in der Regel nicht mit einem Punkt abgeschlossen.
Beispiele hierfür sind „Akku“ für „Akkumulator“, „Rad“ für „Fahrrad“, „U-Bahn“ für „Untergrundbahn“ und „Trafo“ für „Transformator“.
Das Akronym, auch Initialwort oder Buchstabenwort genannt, gehört auch zu den Kurzformen. Es wird aus den Anfangsbuchstaben der bedeutungstragenden Teile einer mehrteiligen Langform gebildet.
Beispiele hierfür sind „Lkw“ für „Lastkraftwagen“, „ÖPNV“ für „öffentlicher Personennahverkehr“ und „DIN“ für „Deutsches Institut für Normung“.
4 Welche Rolle spielen Definitionen?
Nicht nur Benennungen sind sichtbar. Begriffe können auch mithilfe von Definitionen sichtbar gemacht werden. Definitionen ermöglichen es, die Begriffe, die als Denkeinheit existieren, in sprachlicher Form zu repräsentieren. Daher tragen Definitionen in der Terminologiearbeit eine entscheidende Bedeutung. Doch was sind überhaupt Definitionen?
4.1 Was ist eine Definition?
Eine Definition dient dazu, einen Begriff zu bestimmen, von anderen Begriffen abzugrenzen und in ein Begriffssystem einzuordnen. Mithilfe eines Begriffssystems kann man Begriffsbeziehungen visuell darstellen.
Auf das bereits genannte Beispiel mit dem Begriff „Tisch“ bezogen könnte eine Definition wie folgt aussehen:
Ein Tisch ist ein Möbelstück, das eine waagerecht angeordnete Tischplatte und mindestens ein Tischbein hat.
Diese Definition bestimmt mithilfe der Begriffsmerkmale den Begriff, grenzt ihn dadurch von anderen Möbelstücken wie Schränken ab und ordnet ihn in ein Begriffssystem ein. Da die Definition mit dem Oberbegriff „Möbelstück“ anfängt, wird der Begriff zu einem bereits bekannten Begriff eingeordnet.
4.2 In welchem Zusammenhang steht die Definition mit dem semiotischen Dreieck?
Abbildung 8 Zusammenhang zwischen Definition und semiotischen Dreieck
Die Definition lässt sich auch ins semiotische Dreieck einordnen. Das semiotische Dreieck lässt sich in drei Ebenen aufteilen. Diese Ebenen sind die Repräsentationsebene, die Begriffsebene und die Gegenstandsebene. Auf der Gegenstandsebene befinden sich die Gegenstände. Begriffe lassen sich zur Begriffsebene zuordnen und die Benennungen zur Repräsentationsebene. Definitionen repräsentieren genau wie Benennungen die einzelnen Begriffe. Deswegen lassen sich die Definitionen auch zur Repräsentationsebene zuordnen. Sie machen den Begriff in sprachlicher Form sichtbar, indem sie den Begriff erklären und darstellen.
| Element | Bedeutung |
|---|---|
| Benennung | Sprachliche Bezeichnung |
| Definition | Sprachliche Begriffsbestimmung |
| Begriff | Denkeinheit aus gemeinsamen Merkmalen |
| Gegenstand | Materielles oder immaterielles Objekt |
Tabelle 2 Überblick Benennung, Definition, Begriff und Gegenstand
5 Was ist Terminologiearbeit?
5.1 Was passiert mit den Begriffen und Benennungen?
Jetzt können wir den Begriff von der Benennung unterscheiden. Dies ist die Basis der Terminologiearbeit. Denn in der Terminologiearbeit beschäftigt man sich mit einer einheitlichen Terminologie, die jedem Begriff die passenden Benennungen in einem entsprechenden Terminologieverwaltungssystem (TVS) zuordnet. Mit Terminologie wird der Fachwortschatz bezeichnet, der aus den Begriffen und ihren passenden Benennungen aus einem Fachgebiet besteht. Die Terminologiearbeit verfolgt damit das Ziel einer einheitlichen Terminologie. Eine einheitliche Terminologie bedeutet, dass für die Fachwortbestände festgelegt ist, welche Benennung für welchen Begriff verwendet wird. Dies hilft dabei, eine konsistente Unternehmenssprache aufzubauen, einzuhalten und zu überprüfen.
5.2 Woraus besteht Terminologiearbeit?
Doch die praktische Terminologiearbeit umfasst noch mehr. Sie besteht aus der Terminologierecherche, der terminologischen Analyse, Terminologieverwaltung und Terminologieprüfung. Bei der Terminologierecherche werden geeignete Terme identifiziert und gesammelt. Bei der terminologischen Analyse werden die zugehörigen Begriffsmerkmale bestimmt und in Form einer Definition festgehalten. Zudem werden einem Begriff alle passenden Benennungen zugeordnet und die Beziehungen zwischen den Begriffen erkannt. Bei der Terminologieverwaltung werden die terminologischen Daten mithilfe eines TVS erfasst, gepflegt und bereitgestellt. Bei der Terminologieprüfung wird die korrekte und einheitliche Verwendung von festgelegten Benennungen sichergestellt.
6 Begriff oder Benennung?
Wenn wir wieder an die anfangs beschriebene Ausgangssituation denken, in der einem das passende Wort zu dem, woran man denkt, nicht einfällt, können wir jetzt die Ausgangsfrage beantworten. Haben wir die passende Benennung oder den passenden Begriff gesucht?
Mit unserem jetzigen Wissen können wir sicher sagen, dass wir die passende Benennung zu dem Begriff gesucht haben. Um dennoch den Begriff auszudrücken, beschreiben und erklären wir ihn mithilfe der Begriffsmerkmale, genauso wie bei einer Definition. Wir suchen uns somit nur eine andere Repräsentationsart des Begriffs.
Häufige Fragen
Was ist Terminologie?
- Terminologie ist der Fachwortschatz, der aus den gesamten Begriffen und ihren Bezeichnungen in einem Fachgebiet besteht. (DIN 2342:2022-07)
Was ist Terminologiearbeit?
- Die Terminologiearbeit umfasst die Terminologierecherche, die terminologische Analyse, die Terminologieverwaltung und die Terminologieprüfung. Sie baut auf der Terminologiewissenschaft auf.
Was ist der Unterschied zwischen Begriff und Benennung?
- Der Begriff ist eine Denkeinheit, die gebildet wird, indem sie die gemeinsamen Eigenschaften von Gegenständen von einer Menge an Gegenständen mittels Abstraktion ermittelt. (DIN 2342:2022-07) Die Benennung, auch Terminus oder Fachausdruck genannt, ist die sprachliche Bezeichnung eines Allgemeinbegriffs aus einem Fachgebiet. (DIN 2342:2022-07) Vereinfacht gesagt, ist der Begriff die Denkeinheit, die alle Begriffsmerkmale umfasst, und die Benennung der sprachliche Ausdruck, der den Begriff repräsentiert.
Ist ein Begriff dasselbe wie eine Bedeutung?
- Im Prinzip ist der Begriff eine Bedeutung. Mit den Begriffsmerkmalen wird der Begriff definiert, wodurch der Inhalt festgelegt wird. Die in der Definition festgehaltenen Begriffsmerkmale zeigen, was der Begriff bedeutet.
Soll jedem Begriff nur eine Benennung zugeordnet sein?
- Nein. Ein Begriff kann von mehreren Benennungen repräsentiert werden. Für eine einheitliche Unternehmenssprache ist es wichtig, dass zu einem Begriff alle relevanten passenden Benennungen gesammelt werden, um nur die Benennung zu erlauben, die zur Unternehmenssprache passt. Alle anderen Benennungen werden verboten, damit sich nur die eine Benennung für den Begriff etabliert.
Ist eine Benennung einfach ein Wort?
- Im Prinzip ist die Benennung ein Wort. Eine Benennung ist eine sprachliche Bezeichnung und repräsentiert den Begriff, indem sie die Form von einem Wort oder mehreren Wörtern annimmt.
Kann eine Benennung aus mehreren Wörtern bestehen?
- Eine Benennung kann auch aus mehreren Wörtern bestehen. Dann wird sie Mehrwortbenennung genannt. Eine Mehrwortbenennung besteht aus mindestens zwei durch ein Leerzeichen voneinander getrennten Wörtern. (DIN 2342:2022-07) Beispiele hierfür sind „linguistische Intelligenz“ und „Congree Control Center“.
Was ist eine Kurzform?
- Eine Kurzform ist die gekürzte Form einer Langform. Zum Beispiel ist „KI“ eine Kurzform von der Langform „Künstliche Intelligenz“.
Kann ein Begriff mehrere Bezeichnungen haben?
- Mehrere Bezeichnungen können für denselben Begriff stehen. Dieses Phänomen nennt man innerhalb einer Sprache Synonymie. Eine Kurzform ist beispielsweise synonym zu ihrer Langform, da sie beide denselben Begriff bezeichnen. Ein Begriff kann auch in verschiedenen Sprachen von mehreren Benennungen repräsentiert werden. Dies nennt man Äquivalenz.
Wie erkennt man Synonymie?
- Synonymie erkennt man daran, dass mehrere Benennungen denselben Begriff bezeichnen und in verschiedenen Kontexten austauschbar sind. Definitionen helfen dabei, die Begriffe anhand der Begriffsmerkmale zu vergleichen und dadurch Synonyme zu erkennen.
Kann dieselbe Benennung verschiedene Bedeutungen haben?
- Eine Benennung kann verschiedene Bedeutungen haben. Wenn eine Benennung verschiedene Begriffe repräsentiert, spricht man von Mehrdeutigkeit oder Ambiguität. So kann die Benennung „Artikel“ in der Grammatik eine Wortart, im Journalismus einen schriftlichen Beitrag in einer Zeitung und im Handel ein Produkt oder eine Ware bezeichnen. Die Benennung „Artikel“ repräsentiert somit mindestens drei unterschiedliche Begriffe.
Warum braucht man Definitionen?
- Definitionen dienen dazu, einen Begriff zu bestimmen, ihn von anderen abzugrenzen und ihn in ein Begriffssystem einzuordnen. Durch eine Definition werden die Begriffsmerkmale sichtbar und man kann Synonymie und Äquivalenz erkennen.
Was ist der Unterschied zwischen Benennung und Definition?
- Die Benennung und die Definition repräsentieren beide sprachlich den Begriff. Allerdings bezeichnet die Benennung einen Begriff und ist somit die sprachliche Bezeichnung. Die Definition hingegen bestimmt sprachlich den Begriff, grenzt ihn von anderen Begriffen ab und ordnet ihn in ein Begriffssystem ein.
Quellen
DIN 2330:2022-07 Terminologiearbeit – Grundsätze und Methoden
DIN 2342:2022-07 Terminologiewissenschaft und Terminologiearbeit – Begriffe
DIN 2340:2020-11 Kurzformen für Benennungen und Namen
Drewer, Petra / Schmitz, Klaus-Dirk (2017): Terminologiemanagement : Grundlagen – Methoden – Werkzeuge. Ort : Springer Vieweg
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