Herausforderung Verständlichkeit

Von der Kunst, seine Leser nicht abzuhängen

Blog-Beitrag vom 16.10.2017

  • „Ich verstehe gerade nur Bahnhof.“
  • „Und was genau soll mir dieser Satz jetzt sagen?“
  • „Liegt es an mir, oder ist die Anleitung irgendwie … seltsam geschrieben?“

Nicht nur beim Lesen von Anleitungen kommt es schnell zum berühmten „Knoten im Kopf“. Kaum jemand kann bestreiten, von Zeit zu Zeit Texte nicht oder nur schwer zu verstehen. Das ist nichts Außergewöhnliches. Aber es lohnt sich, hinter die Kulissen der Verständlichkeit zu blicken und zu untersuchen, was Verständlichkeit ausmacht, warum etwas nur schwer verständlich ist und wie Verständlichkeit optimiert werden kann.

Aussagen von Lesern und was sie über Verständlichkeit verraten

„Warum steht hier alles gedrängt auf einem kleinen Blatt, das kann man kaum lesen. Vor allem die kleingedruckten Warnhinweise kann ich nicht erkennen, keine Chance. Und die Orientierung im Text geht bei den uniform formatierten Textblöcken auch verloren.“

Gerade bei Bedienungsanleitungen in Papierform ist häufig die Leserlichkeit ein Problem. Leserlichkeit bezieht sich auf Layout und Schriftgröße und stellt eine zwingende Grundvoraussetzung für Verständlichkeit dar. Wenn der Leser hier schon vor einer Hürde steht, scheitert das Textverstehen schon ganz am Anfang, der Content erzielt keine Wirkung.

„Was ist denn jetzt ein Headset, im vorherigen Satz war doch von einem Kopfhörer die Rede?!“

„Der Satz ist immer noch nicht zu Ende? Hilfe, jetzt habe ich den Anfang nicht mehr im Kopf. Ach, wird schon nicht so wichtig sein.“

Bei beiden Beispielen geht es um Verständlichkeit auf sprachlicher Ebene, um die s.g. Lesbarkeit. Durch sprachliche Fehler in den Bereichen Rechtschreibung, Grammatik und Stil und durch inkonsistente Terminologie wird die korrekte kognitive Aufnahme und Verarbeitung von Content empfindlich gestört oder sogar blockiert.

„Schön, dass ich jetzt weiß, was das Produkt alles kann und wie ich es nutze. Aber wie verbinde ich es überhaupt mit dem PC? Sollte ‚man‘ das wissen? Ich weiß es nicht.“

Auch ein gut geschriebener sowie leserlicher Text kann sein Ziel verfehlen. Das passiert, wenn ein bestimmtes Vorwissen vorausgesetzt wird, das beim Leser nicht vorhanden ist. Ohne Vorwissen ist der Leser entweder zur Recherche der fehlenden Fakten gezwungen oder er resigniert dem Text gegenüber. Man sieht: Es gibt viele Stufen, angefangen von der visuellen Verarbeitung bis hin zur mentalen Verarbeitung, an denen die Verständlichkeit Einbußen erleiden kann.

Warum Verständlichkeit so wichtig ist

Nicht nur für Leser, sondern auch für Content-Ersteller sind unverständliche Texte ein Ärgernis, denn Texte sollen v. a. eins sein: erfolgreich. In der Technischen Dokumentation sind Texte erfolgreich, wenn sie den Leser zur sicheren und korrekten Handhabung eines Produkts befähigen. In der Marketing-Kommunikation sind Texte maßgebliche Faktoren für die Kundenbindung. Sie beinhalten häufig einen Call to Action, sollen für ein positives Unternehmensbild sorgen und für frequenten Kontakt mit Kunden sowie erfolgreiche Conversions sorgen. All das – und noch viel mehr – macht den Erfolg von Marketing-Texten aus.

Zum Erreichen dieser Ziele werden Zeit und Geld investiert. Wenn der Leser nun mental aussteigt, bevor die Textintention überhaupt erreicht ist, wirken die Texte nicht und der Aufwand verpufft ins Nichts.

Fazit

Verständlichkeit ist ein vielschichtiges mentales Konstrukt, das an vielen Stellen empfindlich gestört werden kann. Das ist eine Herausforderung für die Erstellung von Content, da durch unverständliche Texte finanzieller und zeitlicher Aufwand zunichtegemacht wird.

Für Content-Ersteller gibt es jedoch verschiedene Möglichkeiten, Verständlichkeit zu messen, zu bewerten und zu optimieren. Welche das sind, erfahren Sie im Whitepaper „Verständlichkeit von Texten bewerten und verbessern“ und im Rahmen der Präsentation „Verständlichen Content erstellen – (k)eine Herausforderung?“.

tl;dr

Unverständliche Texte verfehlen ihr Ziel und machen damit zeitliche und finanzielle Aufwände der Texterstellung zunichte.

Umso wichtiger ist es, die Verständlichkeit der eigenen Texte auf den Prüfstand zu stellen und ggf. zu optimieren.