Herausforderung Termvarianten: Welche gibt es und wie lassen sie sich vermeiden?

Blog-Beitrag vom 26.03.2019

Termvarianten sorgen nicht nur in der Technischen Dokumentation, sondern in der gesamten Unternehmenskommunikation für eine inkonsistente Verwendung der Unternehmensterminologie. Gerade das Deutsche bietet schier unendliche Möglichkeiten, Varianten von zusammengesetzten Wörtern, den s. g. Komposita, zu bilden. Welche Arten von Termvarianten gibt es im Deutschen? Und wie gestaltet sich das Thema Termvarianten in anderen Sprachen? Und die wichtigste Frage: Wie lassen sich Termvarianten vermeiden?

Welche Arten von Termvarianten gibt es im Deutschen?

Im Deutschen unterscheidet man im Wesentlichen zwischen fünf verschiedenen Arten von Termvarianten:

  1. Ableitungsvarianten
  2. Syntaktische Varianten
  3. Bindestrichvarianten
  4. Fugenvarianten
  5. Synonymvarianten

Ableitungsvarianten sind Varianten, bei denen sich ein Wortbestandteil zwar unterscheidet, aber auf denselben Wortstamm zurückzuführen ist, z. B. „Kühlaggregat“ vs. „Kühlungsaggregat“ oder „Sensorenleistung“ vs. „Sensorikleistung“.

Syntaktische Varianten zeichnen sich dadurch aus, dass sie in Getrennt- und Zusammenschreibung variieren und v. a. im Deutschen auch eine umgedrehte Reihenfolge der Komposita-Bestandteile aufweisen, z. B. „Wanne für Öl“ vs. „Ölwanne“. Auch Genitivkonstruktionen sind hier möglich, z. B. „Kommunikation der Server“ vs. „Serverkommunikation“. Eine weitere Möglichkeit im Deutschen ist der s. g. Staccato-Schreibstil, z. B. „Aggregat Kühlung“ vs. „Kühlungsaggregat“.

Bindestrichvarianten sind, wie der Name schon sagt, Varianten, die mit oder ohne Bindestrich geschrieben werden können, z. B. „Kabel-Fernsteuerung“ mit Bindestrich vs. „Kabelfernsteuerung“ ohne Bindestrich.

Fugenvarianten sind ein typisch deutsches Phänomen. In einigen Komposita sind Fugenelemente Pflicht, um ein korrektes deutsches Wort zu bilden. Es gibt aber auch Komposita, bei denen die Bildung mit und ohne Fugen-s möglich ist, z. B. „Ölstandsanzeige“ mit Fugen-s vs. „Ölstandanzeige“ ohne Fugen-s.

Auch Synonyme können Termvarianten hervorrufen, nämlich dann, wenn mindestens ein Bestandteil des Kompositums durch ein Synonym ersetzt wird, z. B. „Automatisierungstechnik“ vs. „Automatisierungstechnologie“.

Welche Termvarianten gibt es in anderen Sprachen?

Für diesen Artikel beschränkt sich die Betrachtung von anderen Sprachen auf die Sprachen Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch.

Im Englischen gibt es wie im Deutschen auch Ableitungsvarianten, syntaktische Varianten, Synonymvarianten und Bindestrichvarianten. Hier ein paar Beispiele:

  • Ableitungsvariante: „measuring system“ vs. „measurement system“
  • Syntaktische Variante: “plan for evacuation” vs. “evacuation plan”
  • Synonymvariante: “gasoline engine” vs. “gasoline motor”
  • Bindestrichvariante: “copper clad steel wire” vs. “copper-clad steel wire”

Bei den Bindestrichvarianten gibt es im Englischen eine Besonderheit: Der Bindestrich befindet sich hier, anders als im Deutschen, nicht zwischen den Hauptbestandteilen des Kompositums, sondern eher zwischen vorangestellten, attributiven Bestandteilen, wie das o. g. Beispiel zeigt. Fugenvarianten kommen im Englischen nicht vor.

Im Französischen findet man ebenfalls Ableitungsvarianten, syntaktische Varianten, Synonymvarianten und Bindestrichvarianten. Hier ein paar Beispiele:

  • Ableitungsvariante: „élément de fixage“ vs. „élément de fixation“
  • Syntaktische Variante: „appareil radio“ vs. “appareil de radio”
  • Synonymvariante: „système de contrôle“ vs “dispositif de contrôle”
  • Bindestrichvariante: “autofocus” vs. “auto-focus”

Auch hier gibt es eine Besonderheit bei den Bindestrichvarianten. Bindestriche können im Französischen nicht so beliebig gesetzt werden wie im Deutschen und kommen eher in entlehnten Ausdrücken vor. Wie im Englischen gibt es auch im Französischen keine Fugenvarianten.

Die italienische Sprache bietet ebenfalls Ableitungsvarianten, syntaktische Varianten, Synonymvarianten und Bindestrichvarianten z. B.:

  • Ableitungsvariante: „sicura per bambini“ vs. „sicurezza per bambini“
  • Syntaktische Variante: „impianto di alimentazione acqua“ vs. “impianto di alimentazione di acqua”
  • Synonymvariante: „controllo di accesso“ vs. “sorveglianza di accesso”
  • Bindestrichvariante: “modalità stand-by” vs. “modalità standby”

Bei Bindestrichvarianten verhält es sich ähnlich wie im Französischen: Bindestriche werden eher in entlehnten Ausdrücken verwendet, wie das obige Beispiel zeigt. Wie im Englischen und im Französischen gibt es auch im Italienischen keine Fugenvarianten.

Im Spanischen sind, wie in den anderen erwähnten Sprachen, Ableitungsvarianten, syntaktische Varianten, Synonymvarianten und Bindestrichvarianten zu finden. Es folgen ein paar Beispiele:

  • Ableitungsvariante: „sistema de filtración“ vs. „sistema de filtraje“
  • Syntaktische Variante: „radiorreceptor“ vs. „receptor de radio“
  • Synonymvariante: „desenganche de emergencia“ vs. “desenclavamiento de emergencia”
  • Bindestrichvariante: “modo stand-by” vs. “modo standby”

Wie das letzte Beispiel zeigt, kommen Bindestrichvarianten im Spanischen jedoch ähnlich eingeschränkt wie im Französischen und Italienischen vor. Und auch im Spanischen existieren keine Fugenvarianten.

Allgemein lässt sich also festhalten, dass das Deutsche im Bezug auf Termvarianten gegenüber der anderen untersuchten Sprachen zwei Besonderheiten aufweist:

Zum einen gibt es ausschließlich im Deutschen die s. g. Fugenvarianten. Und zum anderen gibt es im Deutschen Bindestrichvarianten, bei denen der Bindestrich zwischen den Hauptbestandteilen des Kompositums gesetzt ist und bei denen diese Bestandteile auch beide nicht entlehnt sein können.

Wie lassen sich Termvarianten vermeiden?

Die Variantenvielfalt, sei es im Deutschen oder in anderen Sprachen, stellt uns vor eine große Herausforderung: Wie kann ich sicherstellen, dass meine Vorzugsbenennungen so verwendet werden, wie sie in der Terminologiedatenbank hinterlegt sind, und dass niemand unzulässige Varianten davon verwendet?

Wenn Sie bereits ein Terminologiesystem haben, bietet es sich bspw. an, alle möglichen Termvarianten darin als verbotene Benennungen einzutragen. Allerdings wäre das aufgrund der o. g. zahlreichen Möglichkeiten, Termvarianten zu bilden, eine niemals endende Aufgabe.

Eine viel effizientere Lösung ist eine maschinelle Terminologieprüfung, die Termvarianten der hinterlegten Benennungen automatisch erkennt. Dadurch spart man sich nicht nur die Zeit, die man benötigen würde, um alle Varianten manuell zu erfassen, sondern stellt auch sicher, dass Termvarianten direkt beim Schreiben erkannt und gemeldet werden.

Weitere Informationen zum Thema maschinelle Terminologieprüfung, welche Verfahren es hierzu gibt und wie sich diese unterscheiden, finden Sie in unserem Whitepaper „Verfahren für die Terminologieprüfung im Vergleich“.

tl;dr

Termvarianten sorgen nicht nur in der Technischen Dokumentation, sondern in der gesamten Unternehmenskommunikation für eine inkonsistente Verwendung der Unternehmensterminologie. Gerade das Deutsche bietet schier unendliche Möglichkeiten, Varianten von zusammengesetzten Wörtern, den s. g. Komposita, zu bilden. Eine effiziente Lösung ist eine maschinelle Terminologieprüfung, die Termvarianten der hinterlegten Benennungen automatisch erkennt.